Frauenzentrum Voerde e.V.

Drei Projekte unter einem Dach

Vereinsgeschichte

Unsere Vereinsgeschichte

Am 7.9.1996 gründeten 15 Frauen aus Voerde, Dinslaken und Hünxe den Verein „Weiberwirtschaft Voerde e.V.", um ein Frauenzentrum für Beratung, Weiterbildung und Kultur mit Frauencafé zu betreiben. Am 28.1.1998 feierte der Verein die Eröffnung der Räumlichkeiten in der Dinslakener Str. 11 in Voerde.

In den 12 Jahren des Bestehens kamen zahlreiche Frauen mit ihren Problemen zur Beratung: vor allem Trennung und Scheidung, Erziehungsschwierigkeiten und Depressionen waren ihre Themen, aber auch wegen Suchtproblemen und nicht zuletzt Gewalterfahrung suchten Frauen die Beratung auf. Diese – immer von einer ausgebildeten Sozialpädagogin ausgeübt – war verschwiegen und konnte anonym und kostenlos in Anspruch genommen werden.

Das Café, zuerst von Ehrenamtlichen, dann mit Hilfe von der Kommune vermittelten Frauen immer liebevoll geführt, wurde zu einem Treffpunkt für Frauen, die nur mal einen Kaffee in netter Gesellschaft trinken wollten, eine Zuhörerin suchten oder sich über das Beratungsangebot informieren wollten. Manchmal kamen bestimmte Interessengruppen zusammen wie die Doppelkopfrunde oder die Schreibwerkstatt. Neun Jahre lang trafen sich Witwen zum Gesprächskreis. Später fand sogar das Tandem-Projekt der Stadt Voerde mit Frauen unterschiedlicher Herkunft und Religionszugehörigkeit hier statt.

Gleich zu Beginn fanden die unterschiedlichsten Veranstaltungen und Kurse statt. In Zusammenarbeit mit dem Paritätischen Bildungswerk (heute Paritätische Akademie), der Gleichstellungsstelle und der Ev. Familienbildungsstätte wurden Themen im frauenpolitischen, gesundheitlichen und kulturellen Bereich angeboten. Mehrmals im Jahr stellten Fotografinnen oder Malerinnen ihre Werke aus, wurden Musikerinnen und Lyrikerinnen zu Vorträgen eingeladen. Besonders zu den beiden Daten 8. März (Internationaler Frauentag) und 25. November (Internationaler Aktionstag Null Toleranz gegen Gewalt an Frauen) beteiligten sich die Mitarbeiterinnen an Aktionen und Veranstaltungen. Auch die interkulturelle Arbeit in Form von Schwimmkursen für muslimische Frauen, Sprach– und Nähkurse für Asylsuchende und Aussiedlerinnen, die Beteiligung am Interkulturellen Fest der Stadt Voerde gehörten zum Veranstaltungskatalog.

Ein weit gespanntes Netzwerk mit verschiedenen politischen, kirchlichen, sozialen und kommunalen Einrichtungen wie der Gleichstellungsstelle, dem Ökumenischen Asylkreis, den Weiterbildungseinrichtungen der Region, dem Runden Tisch des Kreises Wesel, dem Frauenhaus Dinslaken und wichtigen Einzelpersonen wie ÄrztInnen, PsychologInnen und RechtsanwältInnen sowie Kulturschaffenden erleichterte einerseits das Hilfeangebot für die Rat suchenden Frauen, andererseits verankerte es die Weiberwirtschaft als einen Ort der sozialen und kulturellen Infrastruktur im Kreis Wesel.

Die Weiberwirtschaft war darüber hinaus ein zusätzlicher Arbeitsplatz für Frauen in Voerde. Es gab immer die eine Stelle der Sozialpädagogin, die zunächst über ABM, später dann durch den eingeschränkten finanziellen Rahmen über ein Honorar finanziert wurde. Im Café gab es eine von der Stadt finanzierte ASS- bzw. später 1-€-Job-Stelle, die den so beschäftigten Frauen nicht nur eine sinnvolle Tätigkeit, sondern auch ein Einkommen sicherte. Für die meisten ehrenamtlichen Frauen war ihre Mitarbeit ein Einstieg aus der Familienphase in die Arbeitswelt, so dass viele von ihnen den Sprung in eine Erwerbstätigkeit, ein Studium oder sogar Selbständigkeit wagten. Da für sie Fortbildungen angeboten wurden, erwarben sie während ihres Ehrenamtes zusätzliche Qualifikationen.

Warum musste dann ein so erfolgreiches Projekt geschlossen werden? Dafür gab es zwei Gründe: Erstens wurde der finanzielle Rahmen immer enger. Zu Beginn startete der Verein mit einem dicken Polster von zwei Spenden in Höhe von 35.000 DM. Sparkasse, Geschäfte und Betriebe sponserten in den Anfangsjahren mit größeren Beträgen. Nach der Einführung des Euro, dem Haushaltssicherungskonzept der Stadt und den insgesamt härter werdenden Zeiten gingen diese Quellen weitgehend zurück. Personalkosten, Miete und Unterhaltskosten für das Café konnten dann nicht mehr aufgebracht werden. Der zweite Grund war der Rückgang an Nachwuchs für die ehrenamtliche Arbeit. Nicht nur die „Auswanderinnen", die den Sprung in eine neue Lebensphase gewagt hatten, blieben weg. Viele Frauen mussten plötzlich zum Familieneinkommen beitragen und hatten keine Zeit mehr. Die jungen Frauen waren sowieso berufstätig.

Dennoch schafften es die verbleibenden Vereinsfrauen, über die Auflösung des Cafés hinweg an einer neuen Stelle und mit ganz geringem finanziellen Aufwand, nämlich im Bürgerhaus Möllen, die Beratung und in verkleinertem Maße die Veranstaltungen weiterhin anzubieten. Auch das Netzwerk blieb weitgehend erhalten, und zwei Projektgruppen aus der Weiberwirtschaftszeit, die Frauengeschichtswerkstatt Voerde und die Lokale Agenda Voerde – AG-Frauen, arbeiten als relativ eigenständige „Töchter" weiter.

Da das Bürgerhaus Möllen zur Zeit als Flüchtlingsunterkunft dient, musste die Beratung an einem anderen Ort stattfinden. Die VHS stellt jetzt einen ihrer Räume zur Verfügung. Veranstaltungen werden z.T. in der Ev. Familienbildungsstätte, z.T. im Rathaus angeboten.

 

 

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